Besuch, Aufstiege und Abschiede
Es war viel los in letzter Zeit. Resa und Ludwig waren für
eine Woche zu Besuch und das war auch für mich ein wenig wie Urlaub. Viel
Schlemmen und Wein trinken, klönen und lachen. Voll gut und ein echter Luxus,
so lange am Stück in ein und der selben Stadt zu wohnen! Tollerweise war ihr
Hotel auch noch gleich bei mir um die Ecke.
Zusammen haben wir das hübsche
Städtchen La Laguna entdeckt, das Anaga-Gebirge durchkämmt, tolle Buchten
entdeckt, uns am Sahara-Strand gesonnt und Cocktails im Hof meiner
Lieblingskneipe getrunken. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei! Das war aber
nicht der einzige Abschied in den letzten Tagen.
Da 5 von unserer Truppe kurz vor der Abreise standen, haben
wir jede freie Minute genutzt, um zusammen was zu unternehmen. Sei es nach der
Arbeit nach Santa Cruz zu düsen zum Shisha rauchen, Sonne tanken und schwimmen
am Sahara Strand oder aber gemeinsam was trinken gehen in La Laguna.
Das
zweifelhafte Highlight war das Besteigen des Teide, dem höchsten Berg Spaniens.
Zu acht wurden wir nachts um 2 von unserem Guide, dem irren Frank, abgeholt und
auf über 2000m Höhe hochgefahren. Bei einem Vorgespräch erklärte Frank uns, das
jeder, der lange Spaziergänge schafft, auch die Bergbesteigung hin kriegt… Das
war definitiv eine Lüge, um uns die Tour zu verkaufen! Ich würde sie nicht
weiter empfehlen. Wobei es schon eine Erfahrung ist, zu sehen, was der Körper
alles schaffen kann, wenn es nicht anders geht.
In dem Geröll durch das wir uns kämpfen mussten, war der Weg kaum zu erkennen,
so dass wir uns immer mal wieder querfeldein durchschlagen mussten. Immer mit
dem Ziel vor Augen, dass auf halbem Anstieg irgendwann die scheiß Wanderhütte
kommen soll, auf der wir uns kurz erholen können. Da es steil nach oben ging,
wir klettern mussten und die Luft immer dünner wurde, sah der Anstieg wie folgt
aus: 5 Schritte kraxeln, stehen bleiben, 3mal tief durchatmen, wieder 5
Schritte kraxeln, stehen bleiben, Luft holen, einen Schluck trinken und wieder
5 Schritte … Nach 4 ½ Stunden kamen wir
dann auf der Hütte an, aber von gemütlich hinsetzten keine Rede – schnell ein
Brot reinstopfen und weiter ging es, angetrieben von unserem Guide,
Nach insgesamt 6 Stunden kamen wir auf unserer vorletzten
Etappe an, der Bergstation von der es an den letzten Anstieg hoch auf die
Spitze geht. Und hier wartete der nächste Schock auf uns: wir hatten alle
darauf spekuliert, den Abstieg abzukürzen, in dem wir dort auf dem Rückweg
schön die Seibahn nehmen, um entspannt zum Auto zurück zu kehren.
Wegen starken
Windes fuhr diese aber nicht. Dass das passieren kann hatte unser Guide uns
auch verschwiegen. Nach kurzen Zweifeln, ob wir dann überhaupt noch den letzten
und steilsten Anstieg wagen sollen, wollten wir uns das aber nicht nehmen
lassen, wenn wir schon so weit gekommen waren. Dieser Anstieg hatte es in sich,
im Nachhinein war es echt fahrlässig von Frank, uns dort hinauf zu lassen bei
einer Windstärke von um die 100km/h. Wir konnten nur auf allen vieren
hochsteigen, denn sobald man versucht hat sich aufzurichten, hat der Wind einen
gepackt und fast vom Weg gepustet. Ich hatte echt ganz schön Schiss.
Auf dem Weg nach unten, hat Frank uns aufgedrängt, doch
unbedingt noch in eine Eishöhle hinabzusteigen,
in der Eiszapfen hängen. Erst als wir unsere Angst vor der rostigen, wackeligen
Leiter hinab in die Höhle überwunden hatten, rief er uns von oben zu, dass das
nicht ganz ungefährlich sei, weil da gerne mal Steine runter kommen. So ein
Freak der Typ. Ich frage mich, warum ihm keiner von uns an die Kehle gesprungen
ist…
Der restliche Abstieg in der prallen Mittagssonne dauerte
viel länger als gedacht, so dass sich
unsere Gruppe komplett auseinander zog.
Ich war zum Glück mit Isa im gleichen Schritt, sonst hätte ich echt am Ende
echt Panik bekommen. Da wir nachts nichts sehen konnten, sahen die Wege und die
Landschaft komplett fremd aus. Zum Schluss gab es keine Schilder mehr und wir
irrten durch eine wüstenartige Landschaft, super warm, kein Wasser mehr, ohne
ein Anzeichen von Zivilisation, wussten nicht ob wir auf dem richtigen Weg sind
und wie lange wir noch gehen mussten. Krasse Grenzerfahrung. Aber die Füße
liefen immer weiter.
Als uns nach 2 Stunden endlich Menschen begegneten und uns
sagten, dass wir auf dem richtigen Weg und nur noch 10 Minuten vom Parkplatz
entfernt seien, bin ich denen erst einmal um den Hals gefallen! Nach 12
Stunden, 5 Litern Wasser und gleichem Schweißausstoß waren wir endlich
angekommen.
Übrigens: auch wenn ich am Abend der Wanderung kaum noch in
der Lage war die Beine zu heben oder klar zu denken, habe ich kein bisschen
Muskelkater oder sonstige Probleme im Nachhinein gehabt. Was das angeht waren
die Nachwirkungen von unserer Wanderung in der Masca-Schlucht viel schimmer!
Insgesamt eine außerordentliche Grenzerfahrung… Interessant aber nicht zu
empfehlen. Im Nachhinein können wir drüber lachen, aber emotional war die Tour echt hart!
Jetzt sind wir Mädels nur noch zu dritt im Seminar, ganz
schön ruhig… Zum Ausgehen sind wir zwar ein paar mehr (2 Praktikantinnen und
unsere neue Mitbewohnerin Alice), aber die anderen fehlen hier schon sehr. Besonders Isa, mit der ich richtig dicke geworden bin. Na
ja, in 2 Wochen geht es auch für uns heim!









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