Auf, auf und davon!!

Dienstag, September 23, 2014

Besuch, Aufstiege und Abschiede



Es war viel los in letzter Zeit. Resa und Ludwig waren für eine Woche zu Besuch und das war auch für mich ein wenig wie Urlaub. Viel Schlemmen und Wein trinken, klönen und lachen. Voll gut und ein echter Luxus, so lange am Stück in ein und der selben Stadt zu wohnen! Tollerweise war ihr Hotel auch noch gleich bei mir um die Ecke. 

Zusammen haben wir das hübsche Städtchen La Laguna entdeckt, das Anaga-Gebirge durchkämmt, tolle Buchten entdeckt, uns am Sahara-Strand gesonnt und Cocktails im Hof meiner Lieblingskneipe getrunken. Die Zeit ging viel zu schnell vorbei! Das war aber nicht der einzige Abschied in den letzten Tagen.






Da 5 von unserer Truppe kurz vor der Abreise standen, haben wir jede freie Minute genutzt, um zusammen was zu unternehmen. Sei es nach der Arbeit nach Santa Cruz zu düsen zum Shisha rauchen, Sonne tanken und schwimmen am Sahara Strand oder aber gemeinsam was trinken gehen in La Laguna. 

Das zweifelhafte Highlight war das Besteigen des Teide, dem höchsten Berg Spaniens. Zu acht wurden wir nachts um 2 von unserem Guide, dem irren Frank, abgeholt und auf über 2000m Höhe hochgefahren. Bei einem Vorgespräch erklärte Frank uns, das jeder, der lange Spaziergänge schafft, auch die Bergbesteigung hin kriegt… Das war definitiv eine Lüge, um uns die Tour zu verkaufen! Ich würde sie nicht weiter empfehlen. Wobei es schon eine Erfahrung ist, zu sehen, was der Körper alles schaffen kann, wenn es nicht anders geht.


Dick eingepackt und mit Kopflampe bewaffnet ging es kurz nach 3h morgens los. Die ersten 2 Stunden waren noch eher gemächlich im Anstieg, dennoch hatte ich aufgrund der dünnen Luft da oben hin und wieder Probleme mit dem Atmen. Dann ging es an den ersten richtigen Berg – 3 davon sollten wir in den nächsten Stunden erklimmen. Bis auf den kleinen Lichtkegel unserer Kopflampe und weit entfernt unter uns die Lichter von Puerto war es stockduster. 

In dem Geröll durch das wir uns kämpfen mussten, war der Weg kaum zu erkennen, so dass wir uns immer mal wieder querfeldein durchschlagen mussten. Immer mit dem Ziel vor Augen, dass auf halbem Anstieg irgendwann die scheiß Wanderhütte kommen soll, auf der wir uns kurz erholen können. Da es steil nach oben ging, wir klettern mussten und die Luft immer dünner wurde, sah der Anstieg wie folgt aus: 5 Schritte kraxeln, stehen bleiben, 3mal tief durchatmen, wieder 5 Schritte kraxeln, stehen bleiben, Luft holen, einen Schluck trinken und wieder 5 Schritte … Nach 4 ½  Stunden kamen wir dann auf der Hütte an, aber von gemütlich hinsetzten keine Rede – schnell ein Brot reinstopfen und weiter ging es, angetrieben von unserem Guide,
dem wir da schon am liebsten den Hals umgedreht hätten. Dafür wurden wir dann mit dem Sonnenuntergang über der Insel belohnt. Und konnten das erste mal sehen, wo wir eigentlich gerade rumlaufen. Haben wir uns vorher schon wie die Hobbits auf dem Weg nach Mordor gefühlt, wurde dieser Eindruck durch die Landschaft noch verstärkt.


Nach insgesamt 6 Stunden kamen wir auf unserer vorletzten Etappe an, der Bergstation von der es an den letzten Anstieg hoch auf die Spitze geht. Und hier wartete der nächste Schock auf uns: wir hatten alle darauf spekuliert, den Abstieg abzukürzen, in dem wir dort auf dem Rückweg schön die Seibahn nehmen, um entspannt zum Auto zurück zu kehren.
Wegen starken Windes fuhr diese aber nicht. Dass das passieren kann hatte unser Guide uns auch verschwiegen. Nach kurzen Zweifeln, ob wir dann überhaupt noch den letzten und steilsten Anstieg wagen sollen, wollten wir uns das aber nicht nehmen lassen, wenn wir schon so weit gekommen waren. Dieser Anstieg hatte es in sich, im Nachhinein war es echt fahrlässig von Frank, uns dort hinauf zu lassen bei einer Windstärke von um die 100km/h. Wir konnten nur auf allen vieren hochsteigen, denn sobald man versucht hat sich aufzurichten, hat der Wind einen gepackt und fast vom Weg gepustet. Ich hatte echt ganz schön Schiss.

Auf dem Weg nach unten, hat Frank uns aufgedrängt, doch unbedingt noch in eine Eishöhle  hinabzusteigen, in der Eiszapfen hängen. Erst als wir unsere Angst vor der rostigen, wackeligen Leiter hinab in die Höhle überwunden hatten, rief er uns von oben zu, dass das nicht ganz ungefährlich sei, weil da gerne mal Steine runter kommen. So ein Freak der Typ. Ich frage mich, warum ihm keiner von uns an die Kehle gesprungen ist…

Der restliche Abstieg in der prallen Mittagssonne dauerte viel länger als gedacht, so dass sich
unsere Gruppe komplett auseinander zog. Ich war zum Glück mit Isa im gleichen Schritt, sonst hätte ich echt am Ende echt Panik bekommen. Da wir nachts nichts sehen konnten, sahen die Wege und die Landschaft komplett fremd aus. Zum Schluss gab es keine Schilder mehr und wir irrten durch eine wüstenartige Landschaft, super warm, kein Wasser mehr, ohne ein Anzeichen von Zivilisation, wussten nicht ob wir auf dem richtigen Weg sind und wie lange wir noch gehen mussten. Krasse Grenzerfahrung. Aber die Füße liefen immer weiter.

Als uns nach 2 Stunden endlich Menschen begegneten und uns sagten, dass wir auf dem richtigen Weg und nur noch 10 Minuten vom Parkplatz entfernt seien, bin ich denen erst einmal um den Hals gefallen! Nach 12 Stunden, 5 Litern Wasser und gleichem Schweißausstoß waren wir endlich angekommen.


Übrigens: auch wenn ich am Abend der Wanderung kaum noch in der Lage war die Beine zu heben oder klar zu denken, habe ich kein bisschen Muskelkater oder sonstige Probleme im Nachhinein gehabt. Was das angeht waren die Nachwirkungen von unserer Wanderung in der Masca-Schlucht viel schimmer! Insgesamt eine außerordentliche Grenzerfahrung… Interessant aber nicht zu empfehlen. Im Nachhinein können wir drüber lachen, aber emotional war die Tour echt hart!



Jetzt sind wir Mädels nur noch zu dritt im Seminar, ganz schön ruhig… Zum Ausgehen sind wir zwar ein paar mehr (2 Praktikantinnen und unsere neue Mitbewohnerin Alice), aber die anderen fehlen hier schon sehr. Besonders Isa, mit der ich richtig dicke geworden bin. Na ja, in 2 Wochen geht es auch für uns heim!